• Wandermeile

Auf der Via Francigena Süd


Von Lausanne bis Rom bin ich 2015 dem Pilgerweg, Via Francigena, gefolgt. Südlich von Rom führt dieser Pilgerweg weiter bis Brindisi und schlussendlich nach Jerusalem. Hanspeter und ich sind auf der Suche nach dem Frühling in Italien gelandet und wandern 3 Tage entlang der Via Francigena Sud. In Castel Gondolfo treffen wir meine Schwester Sabine und ihren Partner Federico. Sie haben auch Ferien und so verbringen wir ein paar Tage wandernd zusammen. In Castel Gondolfo übernachten Hanspeter und ich in unserem VW Bus auf dem Parkplatz des Hotels, in dem Sabine und Federico einquartiert sind.

Am Abend essen wir in einem Ristorante, das von einem Vewandten meiner Schwester geführt wird.

Wir haben Verwandtenbonus und werden von feinen Leckereien nur so überhäuft. Salame, Schinken, Rollbraten vom Spanferkel, Gnocchi, Ravioli, Panna cotta, Cheescake. Kugelrund und gestärkt für die kommenden Wanderungen schlafen wir wunderbar auf dem Parkplatz inmitten des Verkehrschaos. Da der Fahrplan des öffentlichen Verkehrs in Italien zu wünschen übrig lässt, fahren wir zuerst mit einem Auto nach Cori, von wo wir in zwei Tagen zurück nach Castel Gondolfo wandern wollen.

In Cori kaufen wir ein und finden sofort die erste Markierung der Via Francigena. Wir sind positiv überrascht, waren wir doch etwas besorgt, ob der Weg markiert ist. Die ersten Kilometer folgen wir der Strasse und sind froh, als unser Weg, zwar immer noch geteert, aber doch einem kleinen Nebensträsschen folgt. Vorbei an unzähligen Olivenbäumen, wo die Bauern an der Olivenernte sind. Mit motorisierten Bürsten werden die Bäume gekämmt und die Oliven fallen so auf die gespannten Netze, von wo die Früchte in die Harassen geleert werden und zur Weiterverarbeitung in die Fabrik transportiert werden.

Nach knapp zwei Stunden Marsch erreichen wir das erste Dorf und trinken in einer Bar Kaffee. Das gefällt mir in Italien. Feiner Kaffee und in jedem noch so kleinen Dorf eine Möglichkeit Diesen zu geniessen.

Der weitere Wegverlauf ist etwas mühsam. Die stark befahrene Strasse ist nichts für Wanderer und der schnelle Fahrstil lässt uns oftmals ängstlich am Wegrand kleben.

Wunderbar und eine Wohltat für die Teer geplagten Füsse ist der Feldweg und der Waldweg durch einen Eichewald. Wir picnicen und sind uns einig, dass dies auch ein schöner Teil des Wanderns ist.

Noch vor kurzer Zeit im Verkehr unterwegs führt der Weg jetzt über Felder, über spektakuläre, kleine, wacklige Brücken, weit weg von der Zivilisation.

Jetzt wäre der Gluscht nach Kaffee wieder da, aber weit und breit keine Bar. Lange zieht sich der Weg über kleine Strassen bis an den Stadtrand von Velletri. Da endlich finden wir eine Bar und den langersehenten Kaffee. Kaum sind wir an der Bar kommt ein bärtiger Pilger mit einem langen Pilgerstab in das Restaurant. Er habe uns schon von weitem gesehen und sei uns gefolgt, sagt er. Benoit ist ein junger Franzose und schon ein halbes Jahr zu Fuss unterwegs. Gestartet in der Bretagne, wanderte er nach Santiago de Compostela, dann weiter durch Portugal, mit dem Schiff nach Sardinien, wandernd durchquerte er längs die Insel, weiter mit dem Schiff nach Sizilien und jetzt zu Fuss auf dem Weg nach Rom. Über 3000km zu Fuss. Wir seien die ersten Pilger in Italien, die er treffe, sagt er und ist auch nicht enttäuscht als er merkt, dass wir nur Tagespilger sind. Es gibt viel zu erzählen und wir wechseln zwischen den Sprachen französisch, italienisch, englisch und deutsch. Zusammen wandern wir in die Innenstadt vn Velletri wo er einen Schlafplatz in der Kirche suchen geht und wir bequem zu unserem vorbestellten bed and breakfast pilgern. Am nächsten Tag müssen wir nur kurz auf der Strasse wandern. Bald schon führt unser Weg weit weg vom Verkehr durch lichten Wald auf weichen Waldwegen. Eine Wohltat für unsere Füsse. Schon vor dem Mittag hat uns Benoit wieder eingeholt und wir wandern den ganzen Tag zusammen. Wir lachen, diskutieren oder philosophieren mehrsprachig und ob immer alles richtig verstanden wird, sei dahingestellt. Es ist ein schöner Tag. Die Frühlingsblumen blühen am Wegesrand, die Sonne scheint warm,die ersten grünen Blätter spriessen und der Weg führt vorbei an zwei blauen Kraterseen und durch ein lebendiges Dorf. Angekommen in Castel Gondolfo, verabschieden wir uns von Benoit. Er wird morgen noch die letzte Wanderung nach Rom unter seine müden Füsse nehmen. So schnell werden wir ihn nicht vergessen, den jungen Pilger aus der Bretagne, der ein halbes Jahr ohne Geld durch Europa wanderte.

Wir fahren mit dem Auto nach Norma. Da das Wetter auch weiterhin frühlingshaft bleibt, haben wir beschlossen auch noch einen dritten Tag auf der Via Francigena zu wandern. Norma liegt am Südabhang der Monti Lipini, angeklebt wie ein Schwalbennest. Vom Dorf haben wir eine atemberaubende Aussicht in die Pontinische Ebene mit vielen Fruchtbäumen bis hin zum Meer. Sabine und Federico mieten sich ein Zimmer in einem Hotel und Hanspeter und ich schlafen auf dem Parkplatz in unserem VW Bus.

Leider müssen wir bis nach Cori alles auf der geteerten Strasse laufen. Aber die Aussichten in die Ebene und die umliegenden Hügel entschädigen für das Laufen auf Teer. Das Wetter ist wechselhaft. Scheint die Sonne, wird es warm und wir schwitzen und ziehen Pullover aus, bald schon kommt wieder ein kühler Wind und wieder muss eine Jacke her. Kurz vor Cori sitzen wir in einem schönen Olivenhain und essen unser Mittagessen. Die Altstadt von Cori ist schon sehr nah. Nur noch eine Schlucht trennt uns. Das heisst wir wandern alles runter in die Schlucht und dann wieder steil hoch durch die Stadt. Enge Gassen und steile Treppen. Wir haben Glück, kurz bevor wir auf dem Dorfplatz ankommen, beginnt es zu regnen.

Hier endet unsere dreitägige Pilgerreise zusammen. Sabine und Federico fahren wieder nach hause weiter südlich. Wir sind gerne zusammen unterwegs, haben wir doch alle vier Freude an der Natur. Sprachlich ist es etwas schwierig in unserer Wandergruppe. Wenn Sabine, Hanspeter und ich uns in deutsch unterhalten, versteht Federico nichts. Sprechen wir italienisch, versteht Hanspeter nicht viel. So sprechen Hanspeter und Federico englisch, aber so versteht Sabine nichts. Irgendwie geht es immer und wir plaudern so gut es geht mehrsprachig.

Manchmal braucht es ja auch keine Worte um einander zu verstehen.

etwas schwierig. Sprechen Sabine, Hanspeter und ich deutsch, versteht Federico nichts. Federico und Hanspeter unterhalten sich in englisch, da Hanspeter kein italienisch versteht.


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