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Die letzten Wandertage


Für die letzten Wandertage geht es nochmals richtig zur Sache. Wir werden über zwei Pässe steigen und danach 1700 Höhenmeter ins Puschlav absteigen. Vielleicht muss das noch mal eine happige Wanderung geben, damit das Aufhören leichter fällt.

Vom Rifugio Zoia steigen wir gemächlich hoch zum Passo di Campagneda. Es ist ein sanfter Aufstieg. In den Ohren Kuhglockengebimmel und Murmeltierpfiffe. Wir kommen bei vielen Seen vorbei, den Laghi di Campagnedi. Jeder See hat eine andere Form und Farbe. Immer wieder bleiben wir stehen und staunen. Oben auf dem Pass angekommen geniessen wir den Blick auf den Piz Palü, den Piz Bernina, den Piz Zupo und sind ganz nah am Gletscher des Pizzo Scalinos.

Der nächste Pass ist nur ein paar Schritte entfernt. Eine Bachüberquerung, die etwas Gleichgewicht verlangt und wir stehen auf dem Passo di Cancian. Hier öffnet sich der Blick ins tiefe Val Poschiavo. Wir machen uns an den langen Abstieg. Es geht gemächlich und sanft abwärts. Der Weg ist nicht steil und gut machbar.

In Selva, einer Sonnenterrasse hoch über Poschiavo, geniessen wir ein kühles Getränk, bevor wir uns an die letzten Höhenmeter machen. Wir übernachten zwei Nächte auf dem Zeltplatz in Le Prese.

Am nächsten Tag wandern wir mit wenig Gepäck an die Schweiz-italienische Grenze, nach Campologno. Dies ist der Wanderabschluss unserer Schweizumrundung.

Ich werde es vermissen, das Unterwegssein mit Rucksack, hoch in den Bergen in unberührter Natur. Es wird mir fehlen, die Murmeltierpfiffe im Ohr, die Dusche unter Wasserfällen unter strenger Beobachtung der Steinböcke, das Schlafen im Zelt unter dem Sternenhimmel und die tiefe Zufriedenheit, wenn man am Abend das Tagesziel erreicht hat.

Vielleicht werde ich sogar sehnsüchtig an das Gefühl denken, wie es ist, wenn die Beine Abends so müde sind, dass man nicht weiss, wie sie lagern, oder an den Duft nach Essig, der unsere verschwitzten Rucksackträger verströmen, oder wie es ist in nassen Wanderschuhen zu wandern. Werde ich das tägliche Auswaschen der Unterwäsche wohl auch vermissen? Ich befürchte, dass mir Alles fehlen wird, was eine solche Reise ausmacht.

Eine solch intensive Reise bleibt im Gedächtnis, ist nachhaltig und trägt zur Lebensfreude bei.

Dankbar sind wir, dass nach so vielen Wanderkilometer die Füsse und Knie so gut mitmachen, dass wir keinen Unfall hatten und keine einzige Blase. Wunderbar!

Wir fahren nach Hause und packen um. Morgen geht es mit dem Fahrrad weiter. Wir werden die verbleibenden Kilometer mit dem Velo abfahren, im Wissen, dass wir nächsten Sommer das Münstertal, das Samnauntal und das Prättigau abwandern wollen.


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