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Pass des Leidens


Der Tag hat gut angefangen. Windig, aber sonnig begrüsst uns das Wetter als wir den Kopf zum Zelt raus strecken.

Eine Wanderstunde fehlt bis zur Rifugio Margeroli. Dort trinken wir Cappuccini, essen Maiskuchen mit Schoggi und Ricotta und laden die Handys auf. Wir haben alle Zeit der Welt.

Andere Wanderer erzählen uns, dass der Sessellift ins Tal nur bis 11.00 Uhr fährt. Jetzt kommt Bewegung in die Wandergruppe Nyffeler! Wir rechnen nämlich mit einer Talfahrt. So spurten wir los und erreichen die Bergstation etwas nach 11.00 Uhr. Schnell hüpfen wir auf den Sessellift und geniessen die Knie schonende Talfahrt. Die Information über die Öffnungszeiten war falsch. Der Sessellift ist durchgehend in Betrieb.

Im Tal beschliessen wir die fünf Kilometer nach Fondovalle mit dem Bus zu fahren. Der Wanderweg führt alles der Strasse entlang. Da der Bus erst in zwei Stunden fährt, gönnen wir uns eine Siesta.

Wir füllen unseren Rucksack wieder mal randvoll mit Lebensmittel. Wollen wir doch wieder in der freien Natur campieren.

In Fondovalle machen wir uns an den Aufstieg auf die Guriner Furgge.

Wir treffen Wanderer, die am Abstieg sind und sie sagen uns, dass oben auf dem Pass ein See sei, grasig und flach. Ideal zum campieren. Na dann nichts wie los!

Auf dem Wegweiser steht vier Stunden bis Passhöhe. Das geht locker, denke ich. Es ist ja erst 14.30 Uhr.

Die erste Stunde geht ganz ordeli. Steil den Wald hoch.

Für die zweite Stunde leide ich schon ziemlich. Heiss ist es, steil und der Rucksack hängt schwer am Rücken. Ich brauche Nahrung! Die Vollkorn Güetzi müssen her. Die sind eh viel zu schwer im Rucksack. Weiter gehts mit Zentner schweren Beinen. Ich keuche und schwitze. Alle paar Meter muss ich anhalten. Nein, das geht ja gar nicht! Ich habe gedacht, ich hätte jetzt Kondition.

Hanspeter übernimmt die schweren Sachen aus meinem Rucksack. Ich ziehe die Bergschuhe an, damit ich die leichteren Schuhe auf dem Rücken habe. Jetzt sind die Beine noch schwerer und die Tritte unüberwindlich hoch. Ein Blick bergauf bestätigt meine Befürchtung: kein Ende in Sicht!

Jetzt ist die Zeit gekommen für meinen Notfallschleckstengel. Den trage ich schon länger mit mir für genau solche Momente.

Es geht nicht besser mit verklebtem Mund und trotzdem tut es mir gut.

Ich atme unregelmässig, habe weiche Knie und mir ist schlecht.

Ein paar Schritte gehen, dann brauche ich nach Atem ringend eine Pause; so erreichen wir irgendwann die Passhöhe.

Wir suchen uns ein geeignetes Zeltplätzli. Wir waschen uns notdürftig im Seelein, das voller Kaulquappen ist.

Die Abendsonne wärmt uns, die Sicht zurück nach Italien ist beeindruckend und oben auf dem Pass verläuft die Schweizergrenze.

Die Strapazen sind vergessen.


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