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In der Sonnenstube


Um das Hochgebirge der Walliseralpen zu bewandern liegt noch etwas zu viel Schnee. Darum reise ich ins Südtessin an den Lago Maggiore. Es ist eine lange Zugfahrt und ich bin froh, als ich um 19.00 in Gerra ankomme. Ich beschliesse, als erstes ein Bad zu nehmen und mich erst nachher um den Übernachtungsplatz zu kümmern. Die bewaldeten Berge ragen steil in die Höhe und ein geeigneter Platz fürs Zelt zu finden, wird schwierig sein.

Im Strandbad frage ich, ob ich gleich da campieren dürfe. Dies sei kein Problem, ich solle nicht lärmen (ich doch nicht!) und früh wieder zusammenpacken. Mach ich!

Ich verbringe einen lauen Sommerabend am und im See und finde das Tessin schon mal super.

Am anderen Morgen bin ich um 6.30 reisefertig und steige die zwei Stunden hoch nach Monti de Gerra. Steil ist es. Saumässig stei! Schwül heiss, so dass der Schweiss in Strömen fliesst. In Monti di Gerra geniesse ich einen letzten Blick über den See nach Locarno. Es ist dunstig und die Sicht nicht so klar.

Auf der Alp Cedulla gibt es Kaffee und torta della casa. Nochmals ein kurzer Aufstieg und ich erreiche beim Santuario St. Anna den höchsten Punkt der heutigen Wanderung. 1342m.

In Indemini treffe ich Waldtraut, eine Frau aus dem Appenzell, die alleine eine Tageswanderung unternimmt. Wir beschliessen zusammen zu Mittag zu essen. Wir unterhalten uns gut. Waldtraut verlässt Indemini mit dem Postauto und ich nehme mir Zeit das herrliche Dorf zu erkunden. Enge Gassen, mit Stein gedeckte Häuser, Blumen umrankte Fassaden: ein Ort zum Bleiben. Dass viel deutsch gesprochen wird hat dem Dorf den Charme nicht genommen.

Am späteren Nachmittag mache ich mich auf den Weg um einen Platz für mein Zelt zu suchen.

Bei einem Fluss sehe ich ein schönes Badebecken. Die Kletterei runter zum Wasser geht problemlos und ich geniesse die Abkühlung sehr. Frisch gebadet finde ich auf einer Lichtung zwischen Ruinen eine kleine ebene Stelle für mein Zelt.

Vor dem Schlafen mache ich mir etwas Sorgen, wenn Tiere in der Nacht rascheln, ob ich mich wohl fürchten werde. Ich schlafe aber tief und fest und ausser ein Käuzchen höre ich nichts.

Auch der nächste Morgen ist schwül, neblig und bald schon bin ich wieder nass geschwitzt. Wieder führt mein Weg beinahe überhängend den Berg hoch. Vorbei an verlassenen Alpen, durch Buchenwälder, offene Weiden und Hängen voller blühenden Alpenrosen. Die Weitsicht ist heute schlecht, aber das Blumenmeer entschädigt.

Auf einer Ziegenalp halte ich einen spannenden Schwatz mit zwei jungen Sennerinnen. Die vierte Saison sind sie zusammen auf der Alp, die Vorräte mit Mulis hochgebracht und Mitte Saison gibt es nochmals Nachschub. Beide verlassen die Alp vier Monate nicht. Kein Internet, kein Warmwasser, kein Strom! Ich bin beeindruckt.

Bald erreiche ich den bekannten Wanderweg Monte Tamaro-Monte Lema. Was für eine Völkerwanderung!

Auf dem Monte Lema gönne ich mir ein Bett im Massenlager. Ich brauche dringend eine Dusche, wasche meine nass geschwitzte Wanderkleidung und untersuche mich nach Zecken. Heute auf dem Weg haben sich schon Vier an meinen Beinen festgebissen. Sauviecher!

Wenn ich vom Monte Lema zum Luganersee runter schaue bekomme ich schon von der Vorstellung, dass ich da Morgen runterstöckle Knieschlotter.

Aber zuerst geniesse ich jetzt noch den Blick aus der Vogelperspektive.


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