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Rundum gestartet


Dass wir in Basel starten wollen, war uns schon länger klar. Am Vorabend fragen wir uns, wo genau wollen wir nun starten in Basel? Am Bahnhof? Am Rhein? Am Zoll? Wir beschliessen am Dreinländereck zu starten: Dort wo sich Frankreich, die Schweiz und Deutschland treffen.

Jetzt stehen wir also da, schauen auf den Rhein, machen ein paar Föteli und ich probiere mir nicht zu viele Gedanken zu machen wie unser Projekt wohl ausgehen wird. Schaffen wir rundum zu gehen, oder ein Teil per Velo ab zufahren, machen unsere Knie mit bei so vielen Höhenmeter, gibt es auch wieder Blasen, Sehnenentzündung oder ganz andere Beschwerden? Werden wir die Motivation haben, möglichst grenznah zu wandern oder sind wir immer in der Versuchung abzukürzen? Ganz viele Fragen auf die es keine Antwort gibt. Also gibt es nichts anderes als loszulegen, auszuprobieren, den Kopf freizumachen und in der Gegenwart zu leben und sich vor allem nicht Sorgen über die kommende Zeit zu machen. Genau das ist auch das Schöne am Wandern: Schritt für Schritt, immer weiter, nicht zu wissen was uns hinter der nächste Kurve erwartet.

Hinter der nächsten Kurve erwartet uns zuerst mal Stadt, dann wieder Stadt und Industrie. Wir wandern schon fast eine Stunde bis wir an den Stadtrand kommen und erfreuen uns an grossen Bäumen in einem Park und am Plätschern eines Baches, dem wir entlang laufen.

Viele Menschen geniessen das herrliche Frühlingswetter an diesem Sonntag. Es wird gejoggt, flaniert, spaziert, gewalkt und geritten. Man spricht schweizerdeutsch, hochdeutsch und französisch. Wir merken, dass wir grenznah unterwegs sind. Auch die vielen Grenzsteine zeigen uns die sonst unsichtbare Grenze zu Frankreich.

In Mariastein angekommen sind wir erstaunt, wie bekannt dieser Ort bei Gläubigen zu sein scheint. Im Kloster, das mich an Einsiedeln erinnert, sind viele Menschen still ins Gebet versunken, im Klosterladen werden Kreuze und Weihwasserbehälter in allen Formen und Farben verkauft und rund ums Kloster hat es Restaurants und zwei Hotels. Wir essen eine Pizza in der Abendsonne und machen uns an den letzten Aufstieg zur Jugendherberge. Wunderschön sieht die Burg aus in der Abendsonne hoch auf dem Felsen. Wir schwelgen in der Vorfreude auf ein Rollenspiel, dass ich Rapunzel spiele und mein Haar zum Turmfenster raushänge und Hanspeter mich wachküssen kommt (vermische ich zwei Märchen???). Wir sind aber nicht die einzigen Gäste in der Jugendherberge und so lassen wir unser Rollenspiel sein und verhalten uns wie ganz normale Seniorgäste. (Dies steht auf unseren neuen Jugiausweisen).

Auch der nächste Tag ist ein wunderbarer Sonnentag. Herrlich ist es durch duftende Bärlauchwälder zu laufen, vorbei an blühendem Waldmeister und über uns ein Dach mit frischem Buchenlaub. Dazu das Vogelgezwitscher, Grillen hören wir auch schon, die Wiesen leuchten löwenzahngelb und unsere Beine leuchten noch weiss aus den kurzen Hosen. Ich liebe den Frühling!

In Kleinlützel verlässt mich Hanspeter. Er muss wieder nach hause in die Schule in den Alltag. Ich habe das Privileg weiter zu gehen als Grenzgängerin.

Meine Schwiegermutter ermunterte mich ihre Cousine in Roggenburg zu besuchen. Jetzt steh ich vor der fremden Tür und die betagte Frau beäugt mich etwas kritisch. Ich soll Grüsse aus Gondiswil überbringen, sage ich und ich sei auf der Durchwanderung. So so, ist alles was die Cousine Anita sagt, und öffnet die Tür nur wenig. Ich sehe wohl nicht so vertrauenswürdig aus, denke ich und erzähle von meinen Schwiegereltern. Jetzt werde ich zu einem Kaffee eingeladen und Anita wird etwas offener und erzählt vom Hof, den Grosskindern und ihrer Krankheit dem Parkinson. Als ich mich verabschieden will, holt sie noch Familienbilder und erzählt von früher. Später beim Weiterwandern treffe ich auch noch ihren Mann auf dem Feld und halte auch mit ihm ein Schwätzli. Es war mir etwas zuwider bei fremden Menschen zu klingeln, aber es hat sich gelohnt.

Meine Übernachtung in der Neumühle, war sehr kurzweilig. Mit einem älteren Ehepaar sass ich beim Abendessen und wir haben uns anregend unterhalten und dazu fein gegessen.


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