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Veloalltag


Mein Körper hat sich an das Velo fahren gewöhnt. Muskelkater ist weg, das Allerwerteste schmerzt nicht mehr, die Verspannungen im Nackenbereich fortgeschwitzt und im Kreuz, das Anfangs bei langen Aufstiegen weh tat, haben sich Muskeln gebildet ; ) Einzig die Hände schlafen noch zwischendurch ein auch trotz den gekauften Handschuhen und meiner selbst gebastelten Polsterung am Lenker.

Einen Zelzplatz zu finden ist nicht immer einfach. Ich habe meine Route so gewählt, dass ich campieren könnte. Bei der besseren Abklärung sah ich, dass die Zeltplätze oft weit weg vom Dorf sind. In einem Seitental oder auf einem Hügel. Wenn er nicht auf meinem Weg liegt, wähle ich ein Hotel. Manchmal auch praktischer um die heissen Nachmittage zu verbringen. Ich starte wenn möglich immer noch früh und probiere spätestens um 15 Uhr anzukommen. Bei 38 Grad im Schatten ist es nicht mehr so lustig zum radeln. So mache ich Siesta am Schatten vor dem Zelt, oft zusammen mit Ameisen, Käfer und Fliegen oder im klimatisierten Hotelzimmer.

Bis jetzt war ich jeden Tag im Sattel. Das Alleinsein verleidet mir ein wenig und so habe ich etwas Stalldrang. Es gibt Tage, wo ich nur wenige Kilometer fahre und so noch viel Zeit für Sehenswürdigkeiten habe.

Viel habe ich schon gesehen und einige Regionen durchradelt. Wunderschöne Städte besucht wie Assisi, Florenz, gebadet im Lago Trasimeno, die Toskana nur gestreift, dafür länger in Umbrien. Die letzten Tage über Pässe im Appenien und jetzt in der Poebene.

Letztens hatte ich eine interessante Begegnung mit einer Schlange. Ich sass in einem Wäldchen auf einer Bank, ass mein Panini und drückte auf dem Handy rum. Plötzlich registrierte ich aus dem Augenwinkel eine Bewegung neben meinen Füssen. Ich staunte nicht schlecht als ich sah, dass eine Schlange unter der Bank hervorkroch. Habe gar nicht gewusst wie beweglich ich noch bin, aber meine Beine schlängelten sich in rasantem Tempo auf die Bank. Die Schlange kroch gemächlich weiter und verschwand im Laub. Ich verschwand nicht viel später auch.

Ich sehe täglich viele Velofahrer aber selten mit Gepäck. Die meisten sind mit dem Rennvelo unterwegs. Sie winken, grüssen, rufen "avanti" oder fahren ein Stück mit mir und fragen woher und wohin. Mich stressen solche Schwätzchen eher da ich sofort etwas schneller fahre und je nach Gelände erzeugt dies bei mir hechelnde Antworten. Viele Rennvelofahrer sind ohne Helm unterwegs. Dies erstaunt, sind doch die Strassen teilweise sehr schlecht. Tiefe Löcher und Spalten sind keine Seltenheit.

Mein Orientierungssinn lässt mich manchmal ziemlich im Stich. In eine Stadt hineinzufinden ist ein Kinderspiel. "Centro" ist immer angeschrieben. Aber die richtige Strasse wieder aus dem Gewimmel hinaus zu finden ist etwas kniffliger. Es gibt vor allem blaue Wegweiser. Diese gelten für Neben-und Hauptstrassen, wie auch als Vorwegweiser für die Autobahn. Ich bin auch schon falsch abgezweigt und 3km bergauf gestrampelt, bis mich nette Leute fragten wohin ich wolle. Die Strasse sei oben auf dem Berg fertig. In solchen Momenten fühle ich mich auch etwas allein. Da hätte ich jeweils gerne Jemanden zum Jammern. Ich nickte nur freundlich und sauste wieder bergab.

Viel werde ich gefragt ob ich den ganzen Weg von der Schweiz mit dem Velo gefahren sei. Wenn ich sage, dass ich zu Fuss kam und jetzt mit dem Fahrrad auf dem Heimweg sei schauen sie mich etwas verdutzt an und wechseln Thema. Ist ja auch nicht nachvollziehbar. Jetzt sage ich immer ja sei mit dem Velo gekommen.


© 2017 by wandermeile.ch

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