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Eine Woche mit Sabine


Der Bus kommt pünktlich an in Radicofani und ich erwarte Sabine schon an der Haltestelle. Wir freuen uns auf die gemeinsame Wanderwoche. Da ich heute nur zwei Stunden nach Radicofani wanderte bin ich noch fit und voller Tatendrang. Ich habe für Sabine eine Überraschung organisiert zum Wanderstart. Die heissen Quellen, die ich am Tag zuvor, aufsuchte, waren super schön. Diesen Platz wollte ich Sabine unbedingt zeigen. Ich lernte in diesen Quellen einen Mann aus Radicofani kennen, der jeden Tag in diese Quellen baden geht. Den fragte ich, ob er meine Schwester und mich die 10 Kilometer dahin chauffieren würde. Er war einverstanden und gab mir seine Telefonnummer. Jetzt rufe ich also Francesco an. Er holt uns bei der Post ab, fährt uns nach Bagno San Filippo und ich kann Sabine diesen herrlichen Ort zeigen. Schon im Dorf riechen wir das schweflige Wasser. Ein Pfad führt durch den Wald zu einem warmen Fluss. Schon im Fluss selber hat es natürliche Badewannen zum baden. Wir laufen aber noch weiter Fluss abwärts wo das Wasser wie bei einem Wasserfall über die Felswand fliesst. Diese Wand ist voller Ablagerung und wir können problemlos hochklettern und da gibt es kleine, natürliche Becken zum baden. Je höher wir gehen, je wärmer ist das Wasser. Ganz oben ist es sicher über 40 Grad. Wir geniessen es ausgiebig und Francesco fährt uns pünktlich zum Abendessen ins Ostello zurück. Da treffen wir zwei Männer und eine Frau aus den Niederlanden. Die Herbergsleiter verwöhnen uns mit einer rituellen Fusswaschung und mit einem feinen Abendessen. So hatte Sabine einen würdigen Start für ihre Pilgerwoche. Wir starten nach einem guten Frühstück auf die letzte Etappe durch die Toskana. Herrliche Ausblicke übers weite Land, zerklüftete Canyons und vorbei an reifen Getreidefelder. Leider führt diese Etappe auch lange auf Asphalt. Wir sehen unser Etappenziel Acquapendente, schon am frühen Nachmittag. Erst nach langem merken wir, dass dieses Dorf Proceno ist. Also nehmen wir nochmals eine Stunde Strasse unter die Füsse, erklimmen einen letzten Hügel und erreichen müde, verschwitzt aber zufrieden die Herberge. Am nächsten Morgen hat Sabine Migräne. Sie will trotzdem laufen, mag aber nicht reden. So machen wir einen Schweigemarsch. Gegen Abend wirken die Tabletten und Sabine taut wieder auf. Die Nonnen lassen uns noch eine Weile vor verschlossenen Türen stehen, da sie am Nachmittagsgebet sind. Als uns Suor Phillipa abholt zeigt sie uns das Zimmer und erklärt, dass wir auf dem dazugehörenden Balkon unsere Abendgymnastik machen können. Geschäftig stellt sie auch unsere Schuhe und verschwitzten Socken an die frische Luft. Sabine und ich wählen anstatt Gymnastik ein erfrischendes Bad im Bolsenasee. Im nächsten Dorf finden wir im Kloster keinen Übernachtungsplatz, da die Nonnen sich zurückziehen und für eine Woche keine Pilger aufnehmen. Nach ein paar Telefonaten finden wir einen Platz bei den Kapuziner. Die Betten sind schmudelig und knarren. Zu fünft schlafen wir in einem kleinen Raum. Da uns am morgen Gewitter und Regen wecken bleiben wir noch etwas länger im Bett. Unser Weg führt entlang von grossen Feldern mit Kartoffeln, Mais und Getreide. Ein besonderes Erlebnis sind auch das Wandern auf der Via Cassia Antica, eine alte römische Handelsstrasse nach Rom. Der Höhepunkt der Wanderung nach Viterbo sind die warmen Quellen unterwegs. Wir bleiben da zwei Stunden und geniessen das warme Wasser. In Viterbo schlafen wir in einem Bed& Breakfast und geniessen das eigene Zimmer. Auch die Stadt gefällt uns mit seinen engen Gassen, dem Papstpalast und eine Führung durch die unterirdischen Gänge. Sabine und ich treffen auch Yvonne und Jörg wieder, das Ehepaar aus Huttwil und wir verbringen einen geselligen Abend zusammen mit anderen Pilger. Im Kloster Regina di Pace wird es lebendig mit uns schwatzenden und lachenden Pilger und die Nonnen, die meisten aus dem Kongo, werden hoffentlich nicht zu sehr in ihrem Gebet abgelenkt. Der letzte gemeinsame Pilgertag mit Sabine geht schnell vorbei. Wir laufen mit Yvonne und Jörg und der Weg führt durch schattigen Wald und grosse Haselnussplantagen. Auch in Sutri sind wir eine lustige Truppe beim Abendessen. Schon ist wieder Zeit zum Abschiednehmen von Sabine. Es war eine schöne Zeit mit dir. Danke für deine Begleitung.


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