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Poebene Teil 2


Ein regnerischer Tag habe ich ausgesucht um das Aostatal zu verlassen und zurück nach Gropello in die Poebene zu reisen. Als ich aus dem Zug ausstieg nieselte es nur leicht, marschierte aber in der ganzen Regenmontur los. 18km bis Pavia wollte ich noch wandern an diesem Nachmittag. Der Regen wurde immer stärker und mein Wanderweg führte wunderschön dem Fluss Ticino entlang. Alles auf Sandwegen, der so richtig an den Schuhen klebte. Es regnete Bindfäden, die nassen Sträucher versperrten mir den Weg, nach zwei Stunden gab auch das beste Gore Tex den Geist auf und ich war nicht sicher wo mehr Wasser war, im Ticino, in meinen Schuhen oder auf dem Weg. Als ich mich in meiner Unterkunft meldete, bei der Klosterkirche San Maria in Betlem, tropfte ich den Boden voll und legte eine Sandspur. Die Schwester lächelte nur nachsichtig. Den folgenden Tag nutzte ich um meine sieben Sachen zu trocknen und die Stadt Pavia zu erkunden. Beides war ein Erfolg. Die Gegend zwischen Pavia und Piacenza ist immer noch flach. Aber da mehr Bäume und Wäldchen sind ist der Weg etwas spannender und ich sehe nicht kilometerweit. Und was Hoffnung auf Änderung gibt, sind die Hügel ganz fern am Horizont. Appenin, ich komme! Die Felder da werden weniger mit Reis angepflanzt dafür mehr Getreide und Mais. Die Dörfer sind klein, und die Zeit scheint stehengeblieben zu sein. Manchmal wie ausgestorben aber die Menschen, die ich antreffe sind immer freundlich und gesprächig. Immer noch habe ich im linken Fuss zwischendurch wie ein Krampf. Frau Dokter Nyffeler hat sich jetzt Magnesium verschrieben und hoffe das dies besser wird. Vielleicht muss mir auch etwas wehtun, sonst werde ich noch übermütig. In diesen Etappen begleitet mich das Wasser. Von oben und von unten. Am Donnerstagmorgen führte mein Weg durch knietiefes, nasses Gras, dass ich wieder flotschnass wurde. Zum Glück hielten die Schuhe diesmal dicht. Am Freitag überquerte ich den Fluss Po. Da keine geeignete Brücke in der Nähe ist, gibt es eine Fährverbindung für Pilger. Danilo Parisi macht dies schon seit Jahren und brachte auch mich sicher ans andere Ufer. Vor der Schifffahrt sah ich noch etwas grosses, pelziges an einem Kanalufer. Ich fragte nach ob das ein Biber gewesen sein könnte. Danilo sagte es sei ein nutria. Ich kannte dieses Wort nicht und schaute im Wörterbuch nach: ein Sumpfbiber. In der wunderschönen Herberge in Orio Litto traf ich zwei Frauen aus Como, die auch auf der Via Francigena unterwegs sind. So sind wir bis nach Piacenza zusammen marschiert. Beide haben entzündete Sehnen und mussten bei fast jeder Bar Pause einlegen. Ich muss gestehen, dass mir das auch gut entsprach.


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