• Wandermeile

Poebene Teil 1


Mit dem Zug in Ivrea angekommen, kaufte ich ein, und verliess schnell die Stadt, die mir nicht gefiel. Ich war etwas nervös, ob ich den Wanderweg finden würde, ob die Beschilderung gut sei. Überraschenderweise waren schon in der Stadt grosse Schilder mit Via Francigena angebracht, dass es ganz einfach war den Weg zu finden. Ich übernachtete die letzten Nächte in alten Klöster, Spitäler oder christlichen Institutionen. Meistens waren das alte, riesige, leicht verfallene, chli gruslige und schmutzige Häuser. Im Zimmer gab es ungefähr sechs Pritschen mit einem staubigen Leintuch. Diese Übernachtungen sind gratis, es steht ein Kässeli für eine Spende. Es war jeden Abend aufs Neue abenteuerlich wie der Übernachtungsort aussehen würde. In so einer Herberge traf ich Oliver, einen 19jährigen, jungen Mann aus Deutschland. Auch er wandert bis nach Rom. Wir beschlossen eine Strecke zusammen zu gehen und verstanden uns sofort gut. Natürlich war er schneller, ehrgeiziger und machte längere Etappen als ich. Wir haben uns beide etwas dem Anderen angepasst und die Gespräche, das Lachen und das Teilen der Wehwehchen genossen. Heute, nach drei gemeinsamen Wandertagen, ist er mit schnellen Schritten weitergezogen. Die Landschaft ist eintönig, alles flach und landwirtschaftlich genutzte Felder. Jetzt im Frühling wird angepflanzt, Mais und Felder geflutet für den Reisanbau. Viele Wasserläufe und Kanäle durchziehen die Ebene und da hüpfen und quaken tausende von Fröschen. Auch eine Schlange sah ich gestern im hohen Gras. Die Wege sind langweilig zu gehen, Kilometer lang gerade aus, dann Kurve und wieder ewig gleich weiter. Zum Glück wenig Asphalt, meistens Gras, Sand oder Kies. Wie ja so oft, wenn die Landschaft nicht viel zu bieten hat, sind die Menschen um so spannender. Ich werde oft gegrüsst, eine gute Wanderung gewünscht und gefragt von wo und woher. Ich bin froh kann ich mich etwas unterhalten mit den Menschen. Am Sonntag in einer Bar setzte sich ein Mann zu mir und fragte ob ich Rompilger sei und ob er eine Foti machen dürfe. Er sei Fotograf von einer Mailänder Zeitung. Er machte sein Bild vor der Kirche, die Messe war fertig, und plötzlich war ich umringt von Menschen, die Hände schüttelten, gratulierten und es war ein Riesenauflauf. Schnell ging ich wieder weiter meines Weges. Heute fahre ich zurück nach Aosta und treffe Guusje und Johan. Ich freue mich auf sie und auf das Wandern nahe den Bergen.


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