• Wandermeile

Bergfrühling auf dem Hohgant


Im Postauto von Interlaken nach Habkern sehen Hanspeter und ich eine Reklame, dass in der Nacht vom 23. auf den 24. Juni Nachtwanderungen stattfinden. Das ist heute, sind wir uns einig, und jetzt erst wird uns bewusst, dass wir vor 26 Jahren zivil getraut wurden. Ein würdiger Tag den Hohgant zu erklimmen.

Wir starten in Habkern erst am Nachmittag, haben wir doch die Zeltausrüstung dabei und können übernachten wann und wo wir wollen.

Schon bald nach dem Dorf Habkern steigen wir steil bergauf über Matten und Wiesen. Bauern sind am heuen. Es wird an steilen Hängen gemäht, Heu geladen und heim geführt. Es riecht nach Heu, Heimat un Sommer.

Dort wo die Wiesen noch nicht abgemäht sind erwarten uns viele Blumen. Hahnenfuss, Margritten, Skabiosen, Knabenkraut und viele Blumen und Gräser, die mir leider unbekannt sind. Noch nicht eine Stunde unterwegs, erreichen wir die Alp Heubühlen. Mit Blick auf das Augstmatthorn, den Thunersee und zurück nach Habkern geniessen wir ein kleines Birchermüesli und selber gemachte Nidletäfeli. Wir haben es nicht eilig und geniessen dieses schöne Plätzli auch wenn der Chef der Alp Gülle ausfährt.

Wir steigen weiter auf. Immer wieder erfreut an der Farbenpracht der Blumen. Es ist jetzt eine herrliche Zeit in den Bergen. Die letzte Stunde ist sehr steil. Aber auch da wandern wir vorbei an blühenden Alpenrosen, Enzianen, die blauer nicht sein könnten und verschiedene Blumenpölsterchen in allen Farben. Die Berneralpen sind in den Wolken aber die Tiefblicke sind spektakulär. In der Zwischenzeit ist alles vom warmen Abendsonnenlicht beschienen. Teilweise ist es steinig, felsig und wir brauchen die Hände zum vorwärtskommen. Oben angekommen, auf der steinigen Matte, der Name passt wunderbar, sind wir erstaunt, dass sich auch noch andere Berggänger um diese Zeit oben auf dem Berg befinden. Diese Gruppe macht uns auf die sieben Steinböcke unterhalb des Wanderweges aufmerksam. Nachdem wir die Blumenpracht, die Aussicht ins Mittelland und die umliegenden Berge genossen haben setzen wir uns an einen windgeschützten Ort und essen unser mitgebrachtes Abendessen. Hörndlisalat, Landjäger, Gemüse und Früchte.

Es ist kühl, die Bise bläst und wir ziehen alles an was wir bei uns haben. Lange sitzen ist nicht möglich und wir vertreiben uns die Zeit bis zum Sonnenuntergang mit umherlaufen. Die Berner Alpen sind hinter einer Wolkendecke verdeckt und zwischendurch zeigt sich ein schneebedeckter Gipfel. Auch gegen Westen zeigen sich Wolken und Dunst und die Sonne versinkt im Wolken- und Dunstmeer. Trotzdem eine schöne Stimmung. Aber in der Zwischenzeit ist es ziemlich kalt und wir sind froh, dass wir unser Zelt in einer windgeschützen Mulde aufstellen können. Zähneputzen mit Aussicht und dann ab in den warmen Schlafsack. Es wird eine kalte Nacht und wir schlafen mit Kappe und wir sind froh um den warmen Daunenschlafsack.

Am Morgen ist Hanspeter schon früh wach und steigt auf den Gipfel und sieht die sieben Steinböcke friedlich grasen. Als ich mich auch aus dem warmen Schlafsack geschält habe und auf den Gipfel geschleppt, sind die Steinböcke schon wieder weiter weg.

Wir packen zusammen und essen mit Blick in den Bumbach, die Schratte und weiter übers Mittelland das mitgebrachte Frühstück. Jetzt sind unsere Rucksäcke wieder leicht und leergegessen. Wir machen uns an den langen Abstieg ins Kemmeribodenbad. Der Abstieg ist steil und steinig und es gibt auch noch ein kleines Schneefeld zu queren. Beim Abstieg begegenen uns Familien und Berggänger beim Aufstieg.

Es gibt 1100 Höhenmeter zu vernichten und wir sind froh als wir im Kemmeribodenbad ankommen. Unsere Knie sind noch nicht gewöhnt so viele Höhenmeter abzusteigen und am nächsten Tag rächt sich dies mit einem kräftigen Muskelkater meinerseits.

Im Kemmeribodenbad gönnen wir uns eine Meringue und machen uns an den langen Heimweg mit Postauto und Zug.

Noch ein kleiner Nachtrag: Unser Hocheitstag haben wir würdig gefeiert auf dem Hohgant. Hanspeter hat mir einen selber gemachten Ring geschenkt. Er hat dies geplant gehabt ohne, an den Hochzeitstag gedacht zu haben.


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