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Trans Swiss Trail, 1. Teil Mendrisio - Lugano

Aktualisiert: 8. Mai

Kaum den Alpenpanoramaweg abgeschlossen, zieht es mich weiter. Bei meinen Wanderungen treffe ich immer mal wieder auf den Fernwanderweg Nummer 2, der die Schweiz vom nördlichen Pruntrut bis ins südliche Mendrisio durchquert.

Mein Mann und ich starten an diesem Februarwochenende 2022 im Süden, in Mendrisio.

Von wunderbarem Wintersonnenschein fahren wir ab Lugano in eine graue, kalte Hochnebelwand. Wir sind etwas enttäuscht, haben wir doch mit Sonne und frühlingshaften Temperaturen gerechnet.

Auch der Start in Mendrisio ist eine Challenge. Zuerst finden wir keinen Wanderwegweiser, hätten doch gerne ein Startbild vom Wanderweg Nummer 2 aufgenommen, dann führt unser Weg durch Industriegebiet, neben dem grossen Einkaufszentrum Foxtown vorbei (etwas deplaziert fühlen wir uns im Shoppingtourismus) und immer das konstante Brausen der Autobahn in den Ohren.

Wir freuen uns, als der Weg durch lichten, steinigen Wald ansteigt Richtung Meride. Nochmals ein Blick zurück ins Industriegetümmel und wir bewegen uns jetzt in der Natur aber immer noch mit Autobahn- und Industrielärm in den Ohren. Erste Frühlingsblumen strecken ihre Köpfe durchs alte Buchenlaub und bald schon erreichen wir Meride ein schönes Tessinerdorf, das bekannt ist durch die vielen Fossilienfunde, die in der Umgebung ausgegraben wurden. Das Fossilienmuseum, in der Dorfmitte ist absolut sehenswert. Das Gebäude wurde vom bekannten Architekten Mario Botta umgebaut und gehört zum Unesco Weltkulturerbe. Wir haben das Museum letztes Jahr besucht. Heute gibt nur Kaffee auf der Piazza und wir sind froh als wir ins beheizte Postauto einsteigen können, das uns zurück nach Mendrisio bringt. Es ist kühl. Wir übernachten im Hotel Grüttli in der Altstadt von Mendrisio. Das ist preiswerter als die Übernachtungsmöglichkeiten in Meride.


Die günstige Unterkunft hat auch seinen "Preis". Das Frühstück wird nämlich in einem anderen Hotel 700m stadtauswärts serviert. Kein Problem für uns: Wanderschuhe und Rucksack anschnallen und los geht`s ans Frühstücksbuffet.

Das Postauto bringt uns gut gesättigt wieder zum Ausgangspunkt nach Meride. Zuerst führt der Weg auf geteerter Strasse vorbei an einer alten Fabrik, wo in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhundert bituminöser Schiefer abgebaut und zu Bituminsalbe verarbeitet wurde

Heute steigen wir nicht bis zum bekannten Gipfel des Monte San Giorgio hoch auch wenn die Aussicht von da spektakulär ist und heute auch die Sonne lacht. Wir wollen das einzige Schiff des Tages in Brusino erreichen, das uns über den Luganersee nach Morcote bringen soll. Und so reicht die Zeit nicht zum Gipfelstürmer.

Wir erreichen das im Winter geschlossene Hotel Serpiano mit Blick auf den See, den Damm von Melide und unserem nächsten Ziel Morcote.

Jetzt noch ein steiler Abstieg zur Schiffs-Anlegestelle von Brusino. Wir geniessen mit vielen anderen Touristen die kurze Überfahrt ins pittoreske Morcote.

Da sitzen wir lange am See und geniessen das mediterrane Feeling. Der Aufstieg über Treppen zur Kirche Santa Maria del Sasso lässt den Puls etwas höher schlagen nicht nur wegen der Aussicht sondern auch vor Anstrengung. Oberhalb der Kirche finden wir eine Panoramaschaukel. Swing the world heisst dieses Projekt, das von zwei jungen innovativen Menschen während der Pandemiezeit ins Leben gerufen wurde. Das Ziel dieses Projektes ist es Menschen auf kreative Art zu unterhalten und sie dazu anzuregen Zeit an der frischen Luft zu verbringen und Spass zu haben. Wir müssen kurz warten, da sich doch einige Menschen eingefunden haben um das Schaukelgefühl mit schöner Aussicht zu geniessen.

Weiter steigen wir gefühlt tausend Treppenstufen hoch zur Alpe Vicania wo wir vor dem geschlossenen Restaurant gemütlich in der Wiese sitzen und den Blick schweifen lassen.

Unser Weiterweg nach Carona führt durch Kastanienwald bis wir den Parco San Grato erreichten . Wir sind zu früh im Jahr, die zahlreichen Azaleen und Rhododendren sind noch nicht in Blüte. Es ist trotzdem ein schöne Abwechslung.

Carona wird auch das "Dorf der Künstler" genannt.

Wir reisen mit dem Postauto ins bebaute Tal von Lugano und haben da ein Bed and Breakfast reserviert.

Am nächsten Tag steht die aussichtsreiche Überquerung des San Salvatores, der markante Zuckerhut südlich der Stadt Lugano auf dem Programm. Der Aufstieg von Ciona, ein typisches kleines Tessinerdorf mit farbigen Häusern und engen Gassen, führt durch lichten Kastanienwald mal flacher mal steiler hoch zum Gipfel. Die Mühe lohnt sich die Aussicht von da oben ist genial. Das Panorama reicht vom Luganersee über die Poebene in die Lombardei bis zu den schneebedeckten, eindrücklichen Gipfeln der Schweizer und Savoyeralpen. Wir lassen uns Zeit und geniessen die Aussicht lange und ausgiebig, bevor wir uns an den Abstieg wagen.


Auch da gibt es immer wieder Aussichtspunkte. Heute ist Sonntag und es sind viele Wanderer unterwegs. An dem Stadium der roten Köpfe, dem Kleidertenue und dem Schweissfilm können wir ungefähr abschätzen wie weit der Abstieg noch geht. Je weiter ins Tal wir kommen, desto fitter sehen die Wanderer im Aufstieg aus. Die letzten paar Meter führen steil dem Bahntrassee entlang nach unten. Von Lugano Paradiso promenieren wir entspannt dem See entlang bis nach Lugano aber der Aufstieg zum Bahnhof lässt nochmals den Schweiss fliessen.

Wunderbare Tessintage gehen zu Ende. Wann wir dem Trans Swiss Trail weiter folgen ist noch unklar aber dass wir es tun ist jetzt schon klar.

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