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Südostwärts 3. Teil Göschenen - Tremorgio

Wahrscheinlich sind schon die meisten mit dem Auto durch die Schöllenen gefahren. Aber wer hat diese Schlucht schon durchwandert? Wir machen das heute und verlassen Göschenen zwischen Autostrasse und Eisenbahn auf einem schönen Wanderweg. Das Rauschen des Verkehrs wird von der wilden, ins Tal herabstürzenden Reuss manchmal kurz übertönt. Heute ist die Schöllenenschlucht einfach begehbar und früher ein schier unüberwindbares Hindernis für die Säumer.

Wir erreichen Andermatt und ich kann hier in einem Sportgeschäft mein Duschtuch ersetzen, das noch auf dem Susten zum Trocknen im Badezimmer hängt. Nach den getätigten Einkäufen sitzen wir bei Kaffee und Kuchen und schauen dem touristischen Treiben zu.

Der Weiterweg führt durch das Unteralptal mit Blick zur Oberalpstrasse und Bahn. Am Fluss gibt es eine Pause mit Fussbaden. Hier rutscht Hanspeter aus und zieht sich einen blutigen Fingernagel zu. Zum Glück ist nichts weiter passiert.

Der Aufstieg zur Vermigelhütte zieht sich in die Länge und oben angekommen essen wir feine Desserts auf der Terasse. Da ist viel los, liegt doch die Hütte am bekannten "Vier Quellen Weg". Die Vermigelhütte hat ein vorbildliches Coronakonzept. Vor dem Eingang der Hütte gibt es ein Lavabo zum Händewaschen. Das Wasser wird mit Knien zum Fliessen gebracht. Die gebrauchten Papiertrocknungstücher können in den Abfalleimer entsorgt werden, dessen Deckel mit Fusspedal geöffnet wird. Jetzt noch Händedesinfektionsmittel aus dem automatischen Dispenser. Gut gewaschen und desinfiziert zieht es uns aber weiter bergauf zum Maighelsee, wo wir unser Nachtlager aufschlagen wollen. Aber als erstes gibt es ein erfrischendes Bad in diesem blauen Bergsee auf 2383m über Meer. Solche Schlafplätze lassen jeden Schweisstropf und jede Strapaze vergessen. Die Stille in den Bergen, der Blick auf den See sind Kraftspender. Diesen Sommer ist aber das Wildcampieren nicht grad positiv aufgefallen. Durch die Coronakrise werden die Zelte in freier Natur immer zahlreicher und nicht ganz alle Campierer gehen sensibel mit der Natur um. So wird in Naturschutz- und Jagdbanngebieten das Zelt aufgestellt, Feuer entfacht, Abfall liegen gelassen oder die Tiere in ihrer Ruhe gestört. Wir sind stets bemüht uns ruhig zu verhalten, nehmen jeden Abfall mit (manchmal nicht nur unseren eigenen), stellen unser Zelt nie in Naturschutzgebieten auf aber uns ist auch bewusst, dass einzelne Zelte die Natur und die Tierwelt wahrscheinlich eher verkraften kann als wenn es Hunderte sind. Es ist uns bewusst, dass es so wie diesen Sommer in Zukunft nicht weiter gehen kann.

Heute Abend geniessen wir aber die Ruhe am Maighelsee, sitzen lange still auf sonnengewärmten Felsen und lassen die Ruhe der Natur auf uns wirken. Zufrieden legen wir uns schlafen.

Noch Bett ( oder besser Schlafsack) warm renne ich am nächsten Morgen splitternackt in den kalten See. Gibt es einen besseren Tagesstart? Ich glaube es kaum.

Heute haben wir den höchsten Passübergang von unserer Südostwanderung. Den Passo Bornengo mit 2630m. Zuerst gilt es aber noch den Pass Maighels zu überqueren. Die Schwemmebene mit tausenden von Steinmandli, glasklare Seen, glitzernde Schneefelder und ein sprudelnder Bergbach lassen jeden Schritt zu purem Vergnügen werden. Hoch oben sehen wir den Übergang des Passo Bornengos und sehen auch, dass uns eine heikle Schneefeldquerung wartet. Von unten aus betrachtet sieht diese Querung heikel aus. Ein Ausrutscher könnte schlimme Folgen haben. Konzentriert, Schritt für Schritt queren wir das Schneefeld ohne Probleme und stehen auf dem höchsten Punkt unserer Südostwanderung. Der Abstieg ist steil und geröllig und bis wir die Capanne Cadlimo erreichen brauchen wir viel Zeit und wandern unter steter Beobachtung von Gemsen, die wahrscheinlich kopfschüttelnd unser Gekracksel bestaunen und sich fragen was solch ungelenke Geschöpfe in den Bergen suchen.

Nach einer längeren Pause in der Capanna steigen wir runter Richtung Ritomsee vorbei an vielen kleinen Bergseen, die in allen blaugrüntürkis Farben leuchten. An einem dieser wunderbaren Bergseen machen wir eine unvergessliche Begegnung. Ein bärtiger Wandersmann mit seiner Partnerin kommt uns entgegen und wir plaudern zusammen. Der Mann stimmt einen Naturjodel an und seine Frau setzt mit der zweiten Stimme ein. Einfach so aus dem Nichts jutzen die Zwei voller Inbrunst für uns, dass es uns eine Gänsehaut gibt so schön ist es. Danke Euch herzlich für diese schöne Begegnung.

Am Lago die Tom, oberhalb des Ritomsees beschliessen wir unser Nachtlager aufzustellen. Auch hier gibt es erfrischendes Bad und ein idyllisches Nachtlager. Wir sind zufrieden, glücklich und geniessen unser Unterwegs sein sehr.

Am nächsten Morgen brauchen wir nur eine Stunde bis Piora, wo wir wieder Wasser tanken können, Handys aufladen, Abfall entsorgen und Kaffee und Kuchen geniessen bevor wir steil in die Leventina absteigen nach Qinto. Was wir jetzt machen ist nicht Jedermanns Ding. Wie gesagt , steigen wir steil runter in die Leventina, da gäbe es auch die Ritombahn, die uns bequem ins Tal führen könnte, anschliessend steigen wir genau so steil wieder auf der anderen Talseite hoch nach Tremorgio. Auch da gäbe es eine Bahn aber wir sind schliesslich auf einer Fussreise und nicht nicht auf einer Bahnreise. Was vielleicht die Entscheidung noch etwas beeinflusst hat, ist die Tatsache, dass Gewitter gemeldet sind und wir mit einem Regenguss rechnen müssen beim Aufstieg. Und so ist es auch wir steigen dampfend in Regenkleider die 800 Höhenmeter auf zum Lago Tremorgio. Oben erwartet uns eine gemütliche Hütte mit feinem Abendessen.


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