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Südostwärts 2. Teil Giswil-Göschenen

Die Wolken hängen tief und beim Verlassen des Campingplatzes, fallen ein paar Regentropfen. Von den Gewittern der letzten Tage sind viele Überschwemmungen und wir probieren mit trockenen Füssen vorwärts zu kommen. Ob wir unserem Wanderweg folgen oder einem Bach ist nicht immer klar ersichtlich. Unser Weg führt durch die Schlucht des kleinen Melchtals. Auch hier sind die Auswirkungen der Gewitter der letzten Tage sichtbar. Die kleine Melchaa ist ein reissender, brauner Bach und stürzt mit eindrücklichem Getöse talabwärts. Der Nebel hängt tief und verleiht dem Tal eine mystische Stimmung. In einer Schutzhütte essen wir Wurst, Käse und Brot und kochen auf unserem Holzkocher einen heissen Tee. Der Aufstieg zur Aelggialp führt über steile, sumpfige Kuhweiden und die trockenen Füsse sind jetzt definitiv Geschichte. Einmal versinkt mein Fuss so tief im Sumpf, dass der Dreck über den Rand der Schuhe schwappt. Kopf runter, und weiter. Oben auf der Aelggialp hängt der Nebel tief und es ist schwierig das Gästehaus ausfindig zu machen. Heute gibt es keine Zeltnacht, wir haben ein Zimmer reserviert, heimelig, romantisch und rustikal ist es da. Die Betten sind gross wie zu Grossmutters Zeiten und dank einem Schwedenofen im Aufenthaltsraum trocknen auch die Schuhe wieder. Auf der Aelggialp befindet sich der geografische Mittelpunkt der Schweiz. Hier sind die Schweizer des Jahres auf einer Tafel verewigt.

Am nächsten Morgen haben sich die Wolken mehrheitlich verzogen und jetzt sehen wir die ganze Schönheit der Aelggialp. Wiesen, Tannen, Kühe, Alphütten, wo Alpkäse gemacht wird und ganz hinten ein tosender Wasserfall. Was für ein schöner Fleck auf unserer Erde. Wir wandern hoch zum Seefeldsee und steigen über Geröll steil hoch aufs Abgschütz auf 2222m. Es braucht etwas Geduld bis sich der Nebel verzieht aber dann können wir die fantastische Aussicht runter zum Seefeldsee geniessen. Der Weg zur Melchsee Frutt ist ebenfalls aussichtsreich. Der Blausee, Melchsee und weiter hinten der Tannsee. Es ist touristisch hier, viele Wanderer und Ausflügler sind zu Fuss unterwegs oder werden mit einer farbigen Bimmelbahn chauffiert. Dies alles ist etwas gewöhnungsbedürftig aber landschaftlich unbestritten wunderschön. Im kleinen Lebensmittelladen "tuttifrutti" auf der Frutt stocken wir unsere Vorräte auf und wandern weiter zur Tannalp. Auch hier überall Kühe, auf und neben dem Wanderweg. So richtige Schweizeridylle. Auf der Tannalp gibt es sogar eine eigene Käserei. Wir suchen uns einen Schlafplatz ausserhalb der Kuhweiden und stellen unser Zelt am Ufer eines Bergbaches auf. Schön früh am Morgen wärmt uns die Sonne und das schätzen wir sehr, wurde es doch eine kühle und feuchte Nacht so nah am Bach.

Auf der Engstlenalp treffen wir Barbara und Christian, Freunde von uns. Sie werden bis nach Gadmen mit uns unterwegs sein. Wir geniessen ihre Gesellschaft sehr. Auch das Wetter ist heute perfekt, praktisch wolkenlos und vom Sätteli auf 2116m haben wir fantastische Ausblicke. "Wo ist das Wetterhorn?, siehst du das Finsteraarhorn und der Gletscher dort ist das nicht der Triftgletscher?", so diskutieren wir. Auch die Alpenflora ist ein Dauerthema und auch wenn wir von vielen Blumen den Namen nicht wissen, geniessen wir die Farbenpracht und deren Vielfalt.

Der Abstieg nach Gadmen ist gut zu meistern und nach einem gemeinsamen Abendessen sausen Barbara und Christian mit dem Postauto zurück nach Innertkirchen und wir richten uns auf dem Campingplatz in Gadmen ein.

Am nächsten Morgen steht ein langer Aufstieg von 1200 Höhenmeter auf die Sustenpasshöhe bevor. Der alte Saumpfad führt uns weit weg vom Strassenlärm bergauf. Je höher wir steigen, desto schlechter wird das Wetter. Die letzte Stunde marschieren wir im Nebel und wir freuen uns, dass wir auf der Passhöhe im Sustenhospiz ein Bett im Massenlager reserviert haben. Das Hospiz wird von Frauen aus Osteuropa geführt. An diesem nebligen Abend verirren sich nur wenige Gäste ins Hospiz. Wir geniessen ein Raclette und sind froh bei dem Nebelwetter ein Dach über dem Kopf zu haben.

Dafür ist der nächste Tag wieder wolkenlos, Berge so weit das Auge reicht. Gestern ein langer Aufstieg und heute ein langer Abstieg nach Wassen. Landschaftlich sehr schön aber der Wanderweg ist etwas langweilig. Oft führt er entlang einer Alpstrasse manchmal sogar geteert. In Wassen angekommen werden Wasserflaschen aufgefüllt, Vorräte eingekauft und Bargeld gemacht. Mit schweren Rucksäcken steigen wir zwischen Hauptstrasse, Autobahn und Eisenbahn bergauf. Der Verkehr ist dicht und auch wenn der Wanderweg abseits der Hauptverkehrslinien verläuft ist das Rauschen des Verkehrs allgegenwärtig. Kurz vor Göschenen halten wir Ausschau für einen geeigneten Platz für unser Zelt. Nicht ganz einfach in diesem engen Tal. Ein Wegweiser zu einem Aussichtspunkt gibt Hoffnung auf einen erhabenen Schlafplatz mit Aussicht. Wir raffen nochmals alle Kraft zusammen und steigen schier überhängend den Berg hoch. Immer höher und höher, der Weg immer ausgesetzter und steiler. Nach einer halben Stunde Aufstieg begebe ich mich in den Sitzstreik und Hanspeter steigt alleine weiter hoch, immer noch voller Hoffnung auf einen schönen Schlafplatz. Daraus wird aber nichts und unsere Campinglust ist verflogen und wir quartieren uns in Göschenen im Albergo Gottardo ein. Kein geöffnetes Restaurant gibt es in Göschenen und so kaufen wir im Coop Salat, Hummus, Chips und Mango und essen etwas windig und kühl vor der Kirche unser Abendessen. Zufrieden schlüpfen wir unter die blütenweisse Decken im Albergo Gottardo.



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