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Ostwärts 2. Teil Cham - Reichenburg

Aktualisiert: Juni 11



Auffahrt 2020. Wir freuen uns auf vier Wandertage. Es ist noch nicht eine Woche her, seit wir von Cham nach Hause gereist sind und jetzt stehen wir wieder am Zugersee und starten mit einem Sprung ins kühle Nass. Nach diesem erfrischenden Start wandern wir dem See entlang aus der Stadt Cham Richtung Zug. Es sind viele Ausflügler unterwegs, seis mit dem Fahrrad, zu Fuss, am Spazieren, Joggen oder mit der ganzen Familie. Dieser sonnige Auffahrtstag zieht die Menschen nach draussen. Die Menschen haben das Bedürfnis sich wieder draussen zu bewegen, nach dieser langen Coronazeit. In Zug sitzen wir am See, essen unseren Mittagslunch, springen nochmals ins Wasser und gönnen uns ein Stück sündhaft teure Zugerkirschtorte mit viel Kirsch, der unsere Beine schwer macht beim Auftstieg auf den Zugerberg. Schöne Ausblicke zurück zum Zugersee begleiten unsere Wanderung aussichtsreich über Allenwinden. In der Bergwirtschaft Brunegg löschen wir den Durst und steigen runter ins Tal, ins Lorzentobel. Und wieder steigen wir bergauf Richtung Gubel. Das Kloster oben auf der Anhöhe ist schon von weither sichtbar. Ein schöner Weiler mit dem Kapuzinerinnenkloster, mächtigen Gutsbetrieben und einem Gasthaus. Der Rundblick über den Zugersee und die Rigi ist wunderschön und wir gönnen uns eine Pause, füllen unsere Wasserflaschen auf und suchen einen geeigneten Schlafplatz für die Nacht. Wir finden an einem Waldrand, bei einer alten Scheune, mitten in einem abgemähten Heufeld unseren Schlafplatz. In weiser Voraussicht warten wir noch mit dem Aufbau des Zeltes. Und wie erwartet kommt der Bauer vorbei und so können wir fragen ob es mihm reicht ist wenn wir auf seinem Land campieren. Er ist offen für solche Abenteuer und es entsteht ein interessantes Gespräch über die Landwirtschaft. Für den Sonnenuntergang steigen wir auf die Anhöhe und sind von der spektakulären Aussicht überrascht. Wahrscheinlich sieht man von hier aus den grössten Teil der Nordschweiz. Zufrieden und trunken vor Sonne und Wanderglück schlafen wir wunderbar.

Am Morgen weckt uns die Sonne, wir essen unser Müesli und sind schon früh wieder startklar. Das Einzige was wir zurücklassen an unserem Schlafplatz ist ein Biberli ein Dankesgeldnötli für den Landwirt.

Die Weiterwanderung führt durch den Wald, entlang an Wäldern, über Felder manchmal mit schöner Aussicht zum Aegerisee. Auf dem Gotschalkenberg gibt es einen Kaffee und ein Stück Kuchen. Schön, dass es wieder die Möglichkeit gibt einzukehren in die Gasthöfe, gehört ein feiner Kaffee oder etwas Süsses doch auch zu unserem Wandervergnügen. Am Nachmittag erreichen wir Schindellegi und können da im Coop unsere Vorräte aufstocken. Schindellegi verlassen wir aber schnell wieder, zuviel Strassenlärm. Wir wandern entlang der Sihl, mit der Hoffnung einen geeigneten Badeplatz zu finden. Endlich, nach ein paar Kilometer und schwindender Hoffnung, haben wir ein Plätzli ganz für uns gefunden und wir stürzen uns füdliblutt in die eisigen Fluten. Auch das gehört zu unserem Wandervergnügen.

Kurz vor dem Etzelpass campieren wir an einem Waldrand mit Feuerstelle und wärmen uns den ganzen Abend am Feuer. Etwas weiter oberhalb von unserem Schlafplatz sehen wir zum Sihlsee mit Einsiedeln.

Am nächsten Tag soll eine Kaltwetterfront mit Regen und Sturm die Schweiz erreichen. So wie der Regenradar aufzeigt, soll der Regen schon um die Mittagszeit einsetzen. Wir sind etwas verunsichert und wägen ab ob wir im Tal, in Lachen, ein Hotel beziehen sollen oder ob wir uns oben auf dem Berg dem Regen stellen wollen. Es ist schwierig sich vorzustellen, dass uns die Front schon bald erreichen soll, scheint doch die Sonne noch vom stahlblauen Himmel. Wir entscheiden uns oben auf dem Grat zu bleiben und wandern aussichtsreich hoch zum Aussichtspunkt Stöcklichrüz. Viele Mountainbiker sind unterwegs und die ankommende Regenfront ist auch bei ihnen ein Thema. Weiter gehts zum Bauernbetrieb mit Gastwirtschaft Gueteregg und geniessen da die Gastfreundschaft der Familie Schönbächler. Wir bekommen Käse, Brot, Schoggidrinks und Süssigkeiten auf den Weg. In der Zwischenzeit hat der Wind zugelegt und schwarze Wolken sind am Himmel. "Ihr habt noch eine Stunde, dann gewittert es", meint der Bauer. Leider ist diese Aussage zu optimistisch, noch nicht eine Viertelstunde sind wir unterwegs, fallen die ersten schweren Regentropfen gefolgt von Blitz und Donner. Eine Stunde Marsch durch den kalten Regen und wir erreichen nass und kalt das Restaurant auf der Sattelhöhe. Hier wettern wir drei Stunden ab, (abwettern ist ein Wort in Hanspeters Wortschatz und heisst, auf besser Wetter warten), lesen und essen ein warmes Abendessen. Wir haben aber nicht genug Geduld zu warten bis der Regen aufhört, verlassen den warmen und gemütlichen Ort und hinter der nahen Kapelle stellen wir unser Zelt auf. Schon um 20.00 Uhr sind wir im Zelt und kriechen erst am Morgen wieder hervor. Die Kaltfront hat die Schweiz erreicht, das merken wir als wir am nächsten Morgen mit steifen Fingern unser Müesli essen. Zum Glück gibt wandern warm und bald schon können wir Schicht um Schicht ausziehen. Der Höhepunkt der heutigen Wanderung ist die Durchschreitung des Zauggenwaldes mit der gleichnamigen Hütte. Schon zu Hause habe ich gesehen, dass es da eine Zauggenhütte gibt, gleichnamig wie mein lediger Name. Die Hütte ist privat ( nicht in meiner Familie) und wir freuen uns auf eine Pause in der Wirtschaft Ruchweid. Der Pächter dieser urchigen Hütte ist Bäcker und stellt uns frisch gebackene Brötli und Gipfeli auf. Da kann man ja nicht nein sagen, oder? Dafür kehren wir im Restaurant Gusöteli, das einen Namen hat wie aus Franz Hohlers "Totemügerli", nicht ein. Gut ehrlicherweise muss ich da anmerken, dass das Gusöterli geschlosssen war.

Bei Siebnen erreichen wir die Linthebebene bis nach Reichenburg. Die letzte Wanderstunde ist etwas langweilig und wir freuen uns als wir kurz vor Reichenburg unerwarteterweise einen kleinen See erreichen und wir vor der Heimreise noch ein erfrischendes Bad geniessen können.

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