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Ostwärts 1. Teil Niederönz - Cham

Aktualisiert: Juni 11


Weiter geht das Wandern in verschiedene Himmelsrichtungen. Diesmal starten wir in Niederönz und wandern ostwärts, der aufgehenden Sonne entgegen. Unser erster Tag ostwärts, ist am 1. März 2020, ein schöner Frühlingstag. Das Coronavirus haltet die Welt, wie auch die Schweiz, in Atem und eine grosse Verunsicherung herrscht.

Wir starten in Niederönz, uns bekanntem Terrain: durch Herzogenbuchsee, Bleienbach, Lotzwil, wo wir einen Spontanbesuch bei Freunden machen. Auch da ist das Coronavirus ein Thema und das Händeschütteln lassen wir schön bleiben. Über Hügel und Wälder erreichen wir Melchnau, wo wir im Restaurant Löwen an der Sonne einen Kaffee trinken. Nicht ahnend, dass solche Restaurantbesuche bald schon nicht mehr möglich sind. Noch einen steilen, letzten Hügel, hoch zur Burgruine Melchnau, und dann führt unser Wanderweg nur noch bergab nach Altbüron. Wir sind jetzt im Kanton Luzern und die erste Etappe unserer ostwärts Wanderung ist geschafft.

Unsere jüngere Tochter plant seit längerem eine Weltreise mit dem Fahrrad. Sie startet auf eine Verabschiedungstour zu Gotte, Götti und Grosseltern im Wissen, dass ihre Weltreise ins Wasser fällt, da das Coronavirus sich immer weiter ausbreitet, Grenzen geschlossen werden und das Reisen unmöglich macht. Auch unser Herz ist schwer an unserem zweiten Wandertag. Wir sind gedanklich oft bei unserer Tochter und können kaum begreifen was da passiert.

Wir beschäftigen uns mit Fragen, die wir uns so noch nie stellen mussten. Ist eine Reise im öffentlichen Verkehr noch verantwortbar? Wir entscheiden uns an diesem Märzsonntag für die Anreise nach Altbüron mit Zug und Postauto, ausgerüstet mit Händedesinfektionsmittel. Kaum andere Reisende treffen wir an. Von Altbüron wandern wir über aussichtsreiche Eggen nach Ebersecken. Es ist ein kühler Frühlingstag aber uns tut das Draussensein gut, den Wind zu spüren. Im Moment brauchen wir einen kühlen Kopf. Wie immer, wenn wir in der Natur unterwegs sind, erscheinen Probleme kleiner, lösbarer und auch die Ausbreitung des Coronaviurs scheint weit weg zu sein. Gestärkt mit Sandwiches aus dem Rucksack, steigen wir von Ebersecken wieder auf den nächsten Hügelzug. Uns ist klar, dass es bei unserer ostwärts Wanderung viele Hügelzüge zu queren gibt. Die Täler und Berge verlaufen in Nord-Süd Richtung und wir bewegen uns quer dazu. Wir laufen durch Nebikon und sind froh, nach längerer Zeit auf Asphalt wieder weichen Boden unter den Füssen zu haben und sind erstaunt wie aussichtsreich der Egolzwilerberg ist. Wir sind noch nicht weit von zu Hause weg und doch bewegen auf unbekanntem Boden. Die letzen Kilometer dieser zweiten Etappe folgen wir auf der ausgeschilderten Wanderroute Via Gottardo. Unser Etappenziel ist St. Erhard.

In der Zwischenzeit musste unsere Tochter schweren Herzens ihren Traum von einer Weltreise begraben, die Satteltaschen sind wieder ausgepackt und sie hat ihrem Leben eine neue Richtung gegeben. Was für ein unvergesslicher März 2020, die Schweiz im Lockdown und die ganze Welt verharrt in einer Schockstarre.

"Zuhause bleiben" ist das Motto. Dürfen wir weiter wandern? Wir haben Frühlingsferien und würden gerne unsere ostwärts Wanderung weiterführen. Mit einem etwas schlechten Gewissen, laden wir die Fahrräder aufs Auto und stationieren sie an unserem Wanderzielort Neudorf, fahren anschliessend mit dem Auto zurück an den Startort St. Erhard. So sind wir unabhängig vom öffentlichen Verkehr unterwegs. Sursee umwandern wir durch den Sursiwald. Heute kommen wir zum alten Sendeturm Beromünster. Der 125m hohe, filigrane Turm ist von weither sichtbar. Wir können uns noch gut erinnern an den Landessender Beromünster. Der Turm steht auf dem Bloseberg mit schöner Aussicht. Bei unseren Fahrrädern angekommen in Neudorf strampeln zurück nach St. Erhard.

Auch bei der nächsten Wanderung von Neudorf nach Kleinwangen ist der öffentliche Verkehr noch tabu und so machen wir es gleich wie bei der vorherigen Etappe. Wir deponieren die Fahrräder am Etappenziel. In der Zwischenzeit wurde es Frühling, die Kirschbäume sind in voller Blüte, die Felder leuchten gelb durch den Löwenzahn und es ist "Kurzhosewetter". Von Neudorf wandern wir nach Römersdorf und weiter zum Baldeggersee. Noch ein kurzer Aufstieg und wir sind bei unseren Fahrrädern in Kleinwangen. Die Velorückreise ist streng. Der Aufstieg vom Baldeggersee nach Römerswil ist schweisstreibend aber mit schönen Blicken zurück auf den See. Den Garten der Stille in Römerswil haben wir nicht besucht, auch wenn dieser sehr geheimnisvoll und spannend ausgesehen hat. Vielleicht ergibt sich die Gelegenheit zu einem späteren Zeitpunkt.

Die ersten Lockerungen des Lockdowns haben stattgefunden und wir benutzen bei unsere nächsten Wanderung das erste Mal wieder den öffentlichen Verkehr. Wir wandern von Kleinwangen nach Cham. Diese Wanderung führt leider etwas oft über Asphalt. Ein Höhepunkt ist die Wehrkirche Hohenrain. Um 1175 gründetet der Johanniterorden wohl die erste Niederlassung auf Schweizerboden. Die mittelalterliche Gebäudegruppe mit Kirche, Turm, rotem Komturhaus, Pächter- und Pfarrhaus erinnern an Kreuzzüge und Ordensritter. Heute ist der Häuserkomplex ein Heilpädagogisches Zentrum. In Cham angekommen strecken wir unsere Asphalt geplagten Füsse in den frischen Zugersee.


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