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Keine Aussicht auf Aussicht


Über Pfingsten sind wir wohl so weit von der Grenze abgekommen, wie noch nie bisher. Es hätte einen Wanderweg gegeben, der direkt der Grenze entlang geführt hätte. Von Vallorbe bis nach St. Cergue durch die grösste zusammenhängende Waldfläche des Juras, den Mont Risoux. Für uns hätte dies geheissen: drei Wandertage in unbesiedeltem Wald, ohne Haus, Dorf oder Einkaufsmöglichkeit. Klar, dies hätte uns schon gereizt, aber da das Wetter nicht optimal gemeldet war über die Pfingsttage und wir auch ohne Essen für drei Tage, genügend Gepäck haben, entschieden wir uns dem Jurahöhenweg zu folgen.

Hanspeter reist am Pfingstsamstag an und die erste Stunde wandern wir noch im Sonnenschein. Aber wie auf dem Wetterradar prophezeit, holt uns der Regen schon bald ein. Wir ziehen Regenhosen und Jacken an und schützen den Rucksack mit einer Regenhülle. Nach einer weiteren Stunde zeigt sich die Sonne und die Regenkleidung entwickelt bald Sauna ähnliche Eigenschaften. Wir ziehen uns um und wollen bei Sonnenschein mittagessen. Leider wechselt das Wetter schon beim ersten Bissen wieder und es regnet in Strömen. Auch die grosse Juratanne, unter die wir flüchten, mag den Regenschwall kaum aufzuhalten.

Auf dem Col du Marchairuz angekommen, entschliessen wir uns im Massenlager zu übernachten und den gemeldeten Regen vom Trockenen aus abzuwarten. Wir teilen unser Zimmer mit sechs anderen Wanderer, die auch ein paar Tage auf dem Jurahöhenweg unterwegs sind.

Am anderen Morgen fällt uns der Start nicht leicht. Es ist kühler geworden, der Nebel hängt tief und zwischen Nieselregen und Landregen wechselt es lückenlos. Tapfer gehen wir los, Richtung Mont Tendre, den wir nach gut 2 Stunden erreichen. Dank der Panoramatafel merken wir was es alles zu sehen gäbe: Von den Savoyer- bis zu den Berner Alpen und von den Vogesen bis zum La Dole. Uns lockt mehr die bewirtete Alphütte etwas unterhalb.

Auch am Pfingstsonntag gibt es ein paar wenige Sonnenstrahlen und wir beschliessen auf dem Col du Molendruz unser Zelt in freier Natur aufzustellen. Da es laut Wanderkarte ein Restaurant auf dem Pass haben soll, stellen wir uns ein feines Abendessen, ein warmer Ort um den Abend zu verbringen und sogar eine Toilette vor. Leider weist das Restaurant zugenagelte Fenster vor und wir vernehmen, dass es seit drei Jahren geschlossen ist. Unser Abend sieht jetzt etwas anders aus: Wir kochen erstmals Kaffee auf unserem Holzköcherli. Das heisst, wir versuchen es. Da es stark windet und das gesammelte Holz nass ist, qualmt es uns zuerst richtig ein und bis wir das Wasser zum Sieden bringen, vergeht eine lange Zeit. Wir geniessen aber diese Tasse heissen Kaffee, da das Abendessen aus einer kalten Mahlzeit besteht: Resten des aufgeweichten Brotes, etwas Ziegenkäse und Wurst. Es ist kühl und in der Zwichenzeit regnet es auch wieder. An einem Wind geschützten Ort stellen wir unser Zelt auf und können sogar noch ein paar Abendsonnenstrahlen geniessen. Die Schuhe sind nass und die Füsse dementsprechend kalt und so schlüpfen wir schon um 19.30 Uhr in den Schlafsack. Es braucht seine Zeit bis wir etwas erwarmen.

Gut und lange haben wir an unserem Waldrand geschlafen. Da es windstill ist, bringen wir das Kaffeewasser zum Frühstück zügig zum kochen. Die übrig gebliebenen Vollkorngüetzi reichen aus, um uns für die ersten 2 Wanderstunden auf den Dent de Vaulion genügend Energie zu spenden. Hier gönnen wir uns ein ausgiebiges Frühstück mit frischem Brot, Käse, Butter, Konfi und eine grosse Kanne Milchkaffee.

Leider ist es auf dem Gipfel auch etwas Nebel verhangen aber der Blick ins Vallée de Joux ist frei und wir geniessen die Aussicht auf den See.

Der Jura ist somit abgewandert und wir hoffen, bald in die Berge gehen zu können.


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